CHAMPCAR/CART: Michigan: Patrick Carpentier gewinnt sein erstes Rennen beim 500-Meilen Hartetest

BROOKLYN, (22.Juli 2001) "Danke Tags" -- im Trubel der Siegerfeier vergaß Patrick Carpentier (Player's/Forsythe Racing/ Ford-Reynard) seinen Teamkollegen Alex Tagliani ("Tags") nicht. Kurz vor Ende des Zweidreiviertel-Stunden-Rennens hatte ...

BROOKLYN, (22.Juli 2001) "Danke Tags" -- im Trubel der Siegerfeier vergaß Patrick Carpentier (Player's/Forsythe Racing/ Ford-Reynard) seinen Teamkollegen Alex Tagliani ("Tags") nicht. Kurz vor Ende des Zweidreiviertel-Stunden-Rennens hatte Tagliani, der selbst mit einer Runde Ruckstand sechster wurde, seinem kanadischen Landsmann an die Spitze geholfen. "Wir wollten die letzte Runde in zweiter Stelle beginnen, um dann anzugreifen. Ich habe mir Sorgen gemacht, ob ich an Dario vorbei kame, aber Tags hat mich in seinem Windschatten nach vorne gezogen, ich kann ihm nur dafur danken! Ich stehe in seiner Schuld! Es war eine harte Saison fur uns, jetzt konnen wir alle endlich ein bisschen aufatmen", freute sich Carpentier uber seinen ersten CART-Sieg. Carpentier, der von Platz 21 gestartet war, hatte sich erst in der letzten Runde an die Spitze gesetzt, diese wieder an Dario Franchitti verloren, doch dann im Windschatten seines Teamkollegen wieder zuruck erobert.

In seinem ersten CART-Jahr 1997 hatte Carpentier, der wie Jacques Villeneuve aus Quebec stammt, bereits vielversprechend den "Rookie of the year Award" als bester Neueinsteiger gewonnen. Der 1996er Toyota Atlantic-Meister hatte dies geschafft, obwohl er drei Rennen weniger gefahren war als seine Konkurrenz: wegen eines gebrochenen Schlusselbeins nach einem Fahrradunfall hatte er zwei Rennen aussetzen mussen, im Saisonfinale hatte er wegen einer in einem Trainingscrash erlittenen Gehirnerschutterung keine Starterlaubnis bekommen. 1998 wechselte er von Bettenhausen zu Player's/Forsythe Racing und zeigte gute Performance, doch schon im darauffolgenden Jahr hatte er wieder einen schweren Unfall (Detroit), bei dem er sich einen Nackenwirbel anbrach. Auch die 2000er Saison brachte ihm kein Gluck: Drei der ersten vier Rennen verpasste er, nachdem er sich bei einem Sturz auf einer Treppe das Handgelenk gebrochen hatte. Carpentier, der seit Jahren an den Zen-Buddhismus glaubt, tragt auf der Ruckseite seines diesem Glauben zufolge in glucksbringendem Gold gehaltenen Helms eine Abbildung des chinesischen Shaolin-Schlosses. Jetzt kann der gluckliche Sieger doppelt feiern, sein Team hatte kurz vor dem Rennwochenende seinen Vertrag fur nachstes Jahr verlangert.

Bei strahlend blauem Himmel und uber 30 Grad war es einmal mehr, und vorerst auch zum letzten Mal auf dem Michigan Superspeedway ein wahrhaft heißes Finish. Insgesamt 55 Fuhrungswechsel, zehn verschiedene Piloten an der Spitze und Durchschnittsrundengesch windigkeiten uber 340 Stundenkilometern machten diesen Rennsonntag zu einem unvergesslichen Erlebnis fur die Fans, die trotz riesiger 300-Jahresfeier im nahen Detroit in die Irish Hills gekommen waren.

Eine kleine Sensation vollbrachte der Schotte Dario Franchitti (Team KOOL Green/ Honda-Reynard). Nachdem die Qualifikation wegen Regens abgebrochen worden war, hatte die Rennleitung entschieden, die Startpositionen aufgrund der Zeiten im freien Training festzulegen. Damit stand Dario auf Platz 25, ganz hinten. In den ersten 35 Runden hatte er bereits 16 Platze gut gemacht und war neunter! Bis zum Schluss kampfte er mit Michel Jourdain Jr. um den Sieg, aber es wurde ein super knappes Photo-Finish um den zweiten Platz: "Michel und ich haben hart gekampft, in der letzten Runde dachte ich schon, wir wurden uns beruhren, und dann kamen die beiden Player's Autos (Tagliani und Carpentier) an uns vorbei. Wenn Tags Patrick nicht geholfen hatte, denke ich, der Sieg ware meiner gewesen. Aber ich gonne ihn Patrick, sein erster Sieg nach so vielen Jahren und er hat ihn sich wirklich verdient", erklarte Franchitti, der seit einigen Jahren mit der Schauspielerin Ashley Judd befreundet ist. "Von 25 auf zwei vor, besser kann man es fast gar nicht machen!", jubelte der Schotte mit seiner Crew, nachdem er die Ziellinie nur zwei Zehntelsekunden hinter Carpentier uberquert hatte. "Wir haben in Michigan im Juni getestet und wertvolle Daten sammeln konnen", hatte Franchitti bereits vor dem Rennen seinem Optimismus kund getan, "Man muss sich 100% auf das Rennen konzentrieren und es ist sehr anstrengend. Es ist eine Strecke, auf der ein Fahrer alleine nicht viel ausrichten kann. Das meiste hangt vom Auto ab -- vor allem muss es durchhalten!" Durchgehalten hat diesen Hartetest fur Mensch und Maschine nicht nur sein Auto, sondern auch er erstaunlich gut. Franchitti, den der ehemalige CART-Champion Juan Pablo Montoya als "fittesten der aktuellen CART-Piloten" bezeichnet, sah nach dem Rennen im Vergleich zu seiner Konkurrenz nur wenig erschopft aus.

Michel Jourdain Jr. gratulierte dem Schotten mit einer freundschaftlichen Umarmung vor laufenden Kameras: "Es war ein großartiger Fight mit Dario, gerade am Schluss war es wirklich knapp. Ich dachte, ich konnte mir die Fuhrung schnappen, aber dann kam Alex (Tagliani) auf der Innenseite durch, damit wurde es zwischen Dario und mir echt eng, gottseidank haben sich unsere Autos nicht beruhrt. Ich finde, wir sollten beide die Punkte fur den zweiten Platz bekommen. Aber auch der dritte Platz ist ein fantastisches Ergebnis fur uns!" Michel widmete seinen bislang großten CART-Erfolg Teambegrunder Tony Bettenhausen, der im vergangenen Jahr bei einem Flugzeugungluck todlich verungluckt war. "Tony war ein großartiger Mensch, er hat mir eine Chance gegeben! Thank you, Gracias!" erklarte der Mexikaner, der von Platz sechs gestartet war, und hielt seine Landesflagge hoch.

"Ich finde, MIS (Michigan Superspeedway) schuldet mir einen Sieg", hatte der Italiener Max Papis (Team Rahal/ Ford-Lola) schon im Vorfeld des Wochenendes verkundet, und zu Anfang des Rennens sah es so aus, als sollte Papis recht behalten. Nachdem er 1999 auf der letzten Runde kurz vor der Ziellinie in Fuhrung liegend mit leerem Tank ausgerollt war und auch im vergangenen Jahr keinen Podiumsplatz erreichen konnte, wollte er jetzt erneut angreifen. Startplatz zwei neben seinem Teamkollegen, dem Meisterschaftsfuhrenden Kenny Brack, schien die ideale Voraussetzung. Immer wieder wechselten sich die beiden an der Spitze ab, den Windschatten im Teamwork spritsparend nutzend. Doch dann kam alles ganz anders: beide schieden 18 Runden vor Schluss in einem Unfall aus. Teambesitzer Bobby Rahal, der einige Fahrstunden entfernt bei einem Gokartrennen seines Sohnes war, hatte seinen Piloten noch als einzigen Rat "Macht was ihr wollt, aber crasht nicht ineinander" gegeben. Er wird seine Anweisungen in Zukunft vielleicht auch an die Piloten anderer Teams weiter geben mussen.

Die beiden Rahal-Piloten hatten das Rennen dominiert, nur Jourdain, Memo Gidley (Target Chip Ganassi Racing / Toyota-Lola), Tony Kanaan (Mo Nunn Racing/ Honda-Reynard) und Michael Andretti (Newman/Haas Racing/ Toyota-Lola) konnten mit ihnen Schritt halten. Nach der Halfte des Rennens hatten diese sechs Piloten bereits das gesamte restliche Feld mindestens einmal uberrundet. Gidley fiel nach einer Zeitstrafe wegen zu schnellen Fahrens in der Box zuruck, Kanaans Rennen beendete ein Elektronikproblem und Andrettis Motor machte schlapp. In der 216. von 250 Runden hatte Christian Fittipaldi einen Unfall, dessen nachfolgende Gelbphase das Feld fur ein spannendes Finale wieder zusammen brachte. Zusammen hatten Papis und Brack 147 der 250 Runden gefuhrt, machten keinen großen Druck mehr, um ihr Material zu schonen und alles sah nach einem souveranen Doppelsieg der beiden aus. Doch dann verlor Papis die Kontrolle uber sein Auto, nachdem er durch ein anderes Auto (Bryan Herta, Zakspeed/Forsythe Racing/ Ford-Reynard) plotzlich Abtrieb verloren hatte. Der Italiener rutsche in den Wagen seines Teamkollegen Brack, die beiden kollidierten und schlugen hart in der Mauer ein. Beide blieben unverletzt. Mit 83 Runden an der Spitze konnte Papis noch einen Punkt fur die meisten Fuhrungsrunden verbuchen.

Der Schwede Kenny Brack (Team Rahal/ Ford-Lola) bleibt trotz seines unfallbedingten Ausfalls weiterhin an der Meisterschaftsspitze (84 Punkte). Mit seinem zweiten Platz ist Dario Franchitti auf Platz zwei (81 Punkte) in der Meisterschaft aufgestiegen. Seriendritter (75 Punkte) bleibt Indy-500-Sieger Helio Castroneves (Marlboro Team Penske/ Honda-Reynard) vor Michael Andretti (Team Motorola/ Honda-Reynard) (73 Punkte). Cristiano da Matta (Newman/Haas Racing/ Toyota-Lola) ist funfter (67 Punkte), der amtierende Meister Gil de Ferran (Marlboro Team Penske/ Honda-Reynard) schied bereits nach 15 Runden mit Elektronikproblemen aus, er liegt an sechster Stelle der Gesamtwertung (58 Punkte),

-CSS/CART

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About this article
Series IndyCar
Drivers Jacques Villeneuve , Helio Castroneves , Gil de Ferran , Michael Andretti , Max Papis , Bobby Rahal , Patrick Carpentier , Alex Tagliani , Dario Franchitti , Tony Kanaan , Bryan Herta , Kenny Brack , Chip Ganassi , Tony Bettenhausen , Michel Jourdain , Mo Nunn
Teams Team Penske , Chip Ganassi Racing , Team Zakspeed